Geschichte der Bibliothek

Geschichte der Bibliothek 
 

 (Als Modul 1 auch als pdf zum Downloaden)

Die "hochfürstliche öffentliche Bibliothek“ (Schlossbibliothek)

 

Markgraf Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (reg. 1703 – 1723) rief die erste öffentliche Bibliothek in der Residenzstadt ins Leben. Durch Dekret vom 21. Dezember 1720 erklärte er die bisherige fürstliche Hausbibliothek zur öffentlichen Landes-bibliothek. Ein fürstliches Schreiben bestätigte die Öffnung für jedermann – obwohl freilich zu dieser Zeit längst nicht jede/r lesen und schreiben konnte.

 

 

1738 erließ sein Sohn,  Markgraf Carl Wilhelm Friedrich, der  „Wilde Markgraf“ (reg. 1729 – 1757), in einem Stiftungsbrief (Fundationsbrief) die Anordnung, nach der  die fürstliche Büchersammlung zusammen mit dem angegliederten Münzkabinett  „niemals getheilet“ werden dürfe, „eine ständige Zierde Ansbachs“ bilden und zum Nutzen Einheimischer und Fremder, Lehrender und Lernender dienen solle. 

Für die nun zweifach bestätigte öffentliche Schlossbibliothek hatte jeder fürstliche Beamte oder Diener bei Antritt eines neuen Amtes Beitrag zu leisten: So musste ein Minister, Geheimer Rat oder Oberhofmarschall 8 fl. (Florin) in die Bibliothekskasse geben, ein Forstmeister oder Oberamtsmann  6 fl., ein Rittmeister  oder Hofmedikus 4 fl., ein Dekan, Hofjunker oder Sekretär 3 fl., und ein Pfarrer  oder Kammerdiener 2 fl.

 

1 Florin oder Gulden hatte 60 Kreuzer, 1 Kreuzer 4 Pfennige, und auch wenn sich die Währungen schlecht auf heutige Verhältnisse umrechnen lassen, war das nicht wenig: Ein Tagelöhner verdiente 15 Kreuzer, ein Zimmermann im Monat 6 Gulden,

ein Wirt verlangte aber für eine Maß Wein je nach Qualität  schon 12, 15 oder 20 Kreuzer. 

 

 

 

 

 

© SB Ansbach

Zuwachs erhielt die Bibliothek dann außerdem durch Ankäufe von Buchführern (=Buchhändlern) und aus namhaften Privatbibliotheken. Große Bereicherung erfuhr sie 1730 durch die umfangreiche und kostbare Bibliothek der früh verstorbenen Markgräfin Christiane Charlotte (reg. 1723 – 1729).

 

Privilegierte Benutzer waren die Mitglieder der fürstlichen Hofhaltung, des Hochfürstlichen Geheimen Archivs und die studierende Jugend des Gymnasiums Carolinum, des zweitältesten staatlichen Gymnasiums in Bayern.

 

Untergebracht war die Bibliothek zunächst noch im Residenzschloss, wo sie angesichts ständig wachsender Büchermengen bald  im 3. Stock einen repräsentativen Bibliothekssaal und zwei Nebenräume erhielt. Nebenan waren die fürstlichen Kunstsammlungen untergebracht:  das schon erwähnte Münz – und Medaillenkabinett, Bronze- und Marmorstatuen, kostbare Vasen und Globen, fürstliches Porzellan. Diese Sammlungen einschl. der Bibliothek dienten  -  auch  - der fürstlichen Reputation bei Staatsbesuchen.

 

Das „edle Kleinod“ und die „Zierde Ansbachs“ erlitt allerdings nach der Abdankung des letzen Markgrafen Karl Alexander ( reg. von 1757 – 1791) und nach dem Übergang an Preußen 1791 gewaltige Einbussen. Mit der von der preußischen Regierung befohlenen Abführung des größeren und wertvolleren Teils der Schlossbibliothek 1805 und 1806 an die Universitätsbibliothek Erlangen begann der Niedergang: 12.400 Bände, darunter 151 Prachthandschriften des 9. bis 15. Jahrhundert, 471 Wiegendrucke (Inkunabeln), 47 Bände mit Landkarten, 85 Kunstwerke, 20 Bände Handzeichnungen, Holzschnitte und Kupferstiche berühmtester  Meister (darunter das Selbstbildnis Albrecht Dürers von 1492) wurden eilig in Kisten verpackt und nach Erlangen abtransportiert. Zurück blieb ein kümmerlicher Restbestand von ca. 7000 Bänden.

Erst als Geschäftsbibliothek der Regierung, und nachdem seit 1865 fränkisches Heimatschrifttum und  Quellenwerke zur Reichs- und Landesgeschichte aus dem Besitz des Historischen Vereins für Mittelfranken aufgenommen wurden,  verbessserte sich die Situation. Gleichwohl war der historisch wertvollste Altbestand verloren. Organisatorische Verbesserungen traten erst ein, als die Bibliothek 1959 vom Freistaat Bayern übernommen und mit Fachpersonal ausgestattet wurde.

Seit 1988 ist das ehemalige markgräfliche Theater in Ansbach der Sitz der Bibliothek:

 

Quellen: Schuhmann, Günther: Ansbacher Bibliotheken vom Mittelalter bis 1806. Kallmünz: Verlag Lassleben, 1961

1250 Jahre Ansbach: Aufsätze zur Stadtgeschichte, hrsg. Von der Stadt Ansbach. Hercynia, 1998

oder:

https://www.schlossbibliothek-ansbach.de/die-staatliche-bibliothek/geschichte/

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